Hier ist gerade relativ wenig los. Relativ gar nichts.
Etwas mehr gibt es bei Facebook (http://www.facebook.com/thomas.jochmann).

Namensfindung [Update]

Beitrag vom: Montag, 23. November 2009 | 5 Kommentare »

Freunde, ich benötige eure Hilfe. Ich habe mir jüngst ein Haustier zugelegt und will nicht weiter so unpersönlich “Maus” sagen, wenn ich ihr zum Beispiel eine gute Nacht wünsche. Oder guten Morgen oder — häufiger — guten Appetit. “Zugelegt” ist vielleicht nicht zu 100% passend, vielmehr teile ich mit meiner Maus eine Vorliebe für Süßigkeiten und seit die Maus weiß, dass es deren in meinem Zimmer zuhauf gibt, teile ich mit ihr auch ein Zimmer.

Heute habe ich mehrere Läden nach einem kleinen Käfig abgesucht. Ich suchte einen sehr, sehr kleinen Käfig, in Deutschland nennt man so etwas Lebendfalle. Gefunden habe ich zwar allerlei Knabbergebäck mit der Geschmacksrichtung “kills immediately”, aber Essensvorräte habe ich wirklich noch reichlich. Außerdem mache ich mir schon leichte Vorwürfe, da Fudge-Brownie, der nur aus Fett und Zucker besteht, keine ausgewogene Ernährung darstellt. Der Apfel blieb unangerührt, ich denke, hier ist noch Erziehungsarbeit notwendig. Wem der Aktionsradius seiner Maus zu groß ist, für den gibt es hier “Glue Traps”. Das sind kleine Gummimatten mit Superkleber drauf (vermutlich Cola). Da läuft Mausi dann einmal drauf und kann anschließend Aladin spielen. Weil es Spielzeug aber erst als Belohnung für gesunde Ernährung gibt, blieb auch dieses Produkt im Regal.

Bis ich einen geeigneten Käfig gefunden habe, habe ich unsere gemeinsamen Essensvorräte in den Küchenschrank verlagert. Ich hoffe, dass das mein Zimmer für die Maus genauso unattraktiv macht, wie für mich.

Ich freue mich sehr auf eure Namensvorschläge. Als Inspiration ist die Seite der Heliosklinik in Gotha ausdrücklich erlaubt. Meinen derzeitigen Namensfavorit habe ich auch von dort. Tipps zur gesunden Ernährung sind ebenso willkommen. Sollte ich den Apfel vielleicht aufschneiden?

[Update]

Nachdem ich eigenmächtig die gemeinsamen Essensvorräte in die Küche verlagert habe, hat Prinz Axel-Wilhelm mir die Freundschaft aufgekündigt und schläft jetzt Übergangsweise in Küche und Flur. Die Lebendfalle Der Käfig ist als dekoratives Element trotzdem sehr bereichernd.


Der Tragödie zweiter Teil

Beitrag vom: Donnerstag, 29. Oktober 2009 | Beitrag kommentieren »

Es geht wieder los. Mit dem heutigen Tag berichte ich wieder von meinen Erlebnissen in San Francisco und meiner Reise durch die Weststaaten. 1700 Photos und mindestens genauso viele (noch) wirre Gedanken sind zu ordnen und dann geht es los. Soviel vorweg: Landschaftlich fantastisch, gesellschaftlich wesentlich näher am deutschen Vorurteil-Amerika.


Sieht deine Tochter aus wie Sau…

Beitrag vom: Donnerstag, 10. September 2009 | Beitrag kommentieren »

… schicke sie nach Ilmenau.

Mit Jenas Studentinnenquote von 60% ließ es sich gut lästern, über das kleine abgelegene Städtchen, in dem es nie so recht Sommer werden will. Konnte ja nicht wissen, dass ich mich selbst mal als Student dort einschreiben werde aber jetzt gibt es kein zurück mehr, das Promotionsgesuch ist raus und so werde ich nach meinem aktuellen Plan offiziell an der TU Ilmenau promoviert. Arbeiten kann ich aber zum Glück von Jena und San Francisco aus. Ilmenau sehe ich dann in ca. 3 Jahren persönlich, wenn ich einige hundert Blatt Papier abliefere und mich von zwei Fremden durchs Rigorosum schubsen lassen muss.

Bis dahin pflege ich aus der Ferne meine Vorurteile über die Stadt der Nerds. Dass das im Semesterbeitrag inbegriffene Bahnticket bei gleicher Leistung in Ilmenau 25 EUR und in Jena 45 EUR kostet lässt darauf schließen, dass dort die Platte nicht oft verlassen wird, oder?


Nachtrag: Verpackungsnormen und Preisangaben

Beitrag vom: Donnerstag, 10. September 2009 | Beitrag kommentieren »

Nachdem ich in den Kommentaren darauf hingewiesen wurde, dass zumindest in ordentlichen Supermärkten die Preise pro Gewicht bzw. Volumen ausgezeichnet werden, habe ich beim nächsten Einkauf explizit darauf geachtet.Prinzipiell ist das richtig und damit oft auch hilfreich, aaaaber: Wie bei uns, hängt hier die Vergleichseinheit von der Gesamtmenge ab. Den Preis schwerer Dinge geben wir pro Kilo an, den leichter Dinge pro 100 Gramm. Wenn man abwägt, ob man die kleine (leichte) Portion nimmt oder die (schwere) Familienpackung, so kann man — Dezimalsystem sei Dank — gut vergleichen. Was bringt mir aber ein Preis pro Pfund (453,59237 Gramm, bzw. 16 Unzen) gegenüber einem Preis pro Gewichtsunze (28,349523125 g)?

Wird Zeit, dass wir die hier in die EU aufnehmen und ihnen unser metrisches System und den Euro aufdrücken. Würde auch ne Menge gequängel bei der Einreise ersparen und in Deutschland gäb es dann auch an jeder Ecke Burritos.

Ach ja: Der Spiegel berichtet in seiner Online-Ausgabe, dass in Deutschland der Trick mit leicht verkleinerten Packungsgrößen im vollen Gange ist. Alles Verbrecher!


Übermäßiges Gepäck, übermäßiger Spaß

Beitrag vom: Mittwoch, 8. Juli 2009 | 2 Kommentare »

Fensterplatz mit Tisch und Steckdose im ICE nach Jena, das iPhone pumpt die Daten vom Notebook ins Internet und zurück. Schöne neue Welt.

Gelandet bin ich demzufolge gut und besagten Luxus habe ich mir (nach meinem Befinden) sehr verdient. In Ermangelung einer Waage konnte ich mein Gepäck vor der Abreise nicht auf Übergewicht hin überprüfen, also blieb mir nur darauf zu vertrauen, dass ich ja wohl nicht mehr als 23 Kilo eingekauft habe. Noch guter Dinge schritt ich auf die Waage am Flughafen zu, aber falls es eine Überwachungskamera gab: Die Gesichtsentgleisung ist sicher was für Youtube. Beide Taschen wogen über 27kg statt erlaubter 23, der Rucksack 11kg statt 8. 210 Dollar kostet das, sagt man mir. Ich komme gleich wieder, sage ich.

Als erstes sterben die Zeitschriften und das Duschbad, von dem Lisa sagt, ich rieche nach Benutzung wie ein Gletschereis-Bonbon. Das Haarspray ist auch schon fast alle, von da an wären die Trennungen schmerzlicher geworden. Ja, eingeplant war, dass ich notfalls einige der sieben mitgebrachten Flaschen Bier entsorge oder verschenke, aber dank Muttis Erziehung fühlte ich mich schon bei der nahezu leeren Haarsprayflasche wie ein Mensch, der Haustiere am Rastplatz anbindet. Das muss anders gehen.

In einer Sache unterliege ich dem typischen Naturwissenschaftlercliché: Ich reise mit Trekkingjacke und folglich unendlich vielen Außen- und Innentaschen. Normalerweise hasse ich sie alle einzeln, denn was immer man sucht, es ist immer in der letzten, in der man schaut. Seit heute liebe ich sie. Bekleidet mit sechs T-Shirts, einem Poloshirt, einem Hemd, einer Stoffjacke (mit vollen Taschen) und besagter Trekkingjacke, die sich nicht mehr schließen ließ, weil die Innentaschen so vollgestopft waren, ging ich dann, schwitzend, glücklich und innerlich triumphierend, zum Check-In. Das Laptop klemmt unter dem Arm, “damit er nicht kaputt geht”. Hinterfragt wird das zum Glück nicht. Es hat Angst im dunklen Rucksack hätte ich als nächstes angegeben — zum Glück aber nicht nötig.

Nach dem Sicherheitscheck habe ich dann alles in Stoffbeutel verteilt. Hürde weniger, Erfahrung reicher. “Übergepäck” werde ich als Gesellschaftsspiel etablieren. Sieger ist, wer so viel Klamotten wir möglich anziehen kann.

Bis wirklich bald
Thomi


Mobiltelefonieren in den Staaten — schön ist anders.

Beitrag vom: Freitag, 3. Juli 2009 | Beitrag kommentieren »

Viele Dinge sind hier unkompliziert und billig. Telefonieren nicht. Meine Handynummer ist von einer Festnetznummer in San Francisco nicht zu unterscheiden.  Allerdings ist die Nummer meiner Freunde hier auch nicht von den Orten zu unterscheiden, wo sie sich ihren Vertrag zugelegt haben. Zufallsnummern wären nicht weniger praktisch, würde ich mal sagen. Damit keiner arm wird, weil er denkt ein Festnetzgespräch zu führen, aber tatsächlich ein Handy anruft, zahlt man die Handygebühren immer selbst. Während man unliebsame Anrufer noch ignorieren kann, sieht es bei SMS anders aus: Pling, und wieder sind 20 Cent weg.

Wie ich hier mitbekomme, sind 60-100$ Handyrechnung hier der Durchschnitt, was auch erklärt, warum (gefühlt) jeder zweite mit einem iPhone rumrennt. Bei uns ist das nur denen vorbehalten, die Lust auf einen riesigen Vertrag haben (oder *hüstel* gern mal einen ‘Kurzurlaub’ in Tschechien machen). Hier hat jeder einen riesigen Vertrag. Ob es hier überhaupt einen Verbraucherschutzminister gibt? Wenn ja, dann hat er vermutlich eine Flatrate und 80 Millionen Frei-SMS. Freue mich schon wieder auf meinen Studententarif für 8 EUR.


Verpackungsnormen

Beitrag vom: Mittwoch, 1. Juli 2009 | 4 Kommentare »

Hoffentlich findet das niiiieeeemals Anklang in Europa: Hier gibt es keine einheitlichen Mengen bei Lebensmitteln. 16,7 Oz (Unzen) Müsli stehen neben 17,3 Oz usw. Preisvergleich ist also den Autisten und Taschenrechnerarmbanduhrenbesitzern vorbehalten. Letzteres war ich vor Jahren mal. Stolz war ich, kann ich euch sagen! Leider nicht badewannenwasserdicht. Es folgten Krokodilstränen und eine langweilige, wasserdichte Uhr, die wenigstens die Mathelehrerin nicht provozierte. Ein iPhone mit Armband ist kaum größer als das Teil damals. Vielleicht ein Gedanke wert.


Nutella-Test

Beitrag vom: Mittwoch, 1. Juli 2009 | 1 Kommentar »

Dass in Amerika unter dem Namen Budweiser nicht das durchaus leckere tschechische Bier verkauft wird, sondern eine dünne Brühe, die nicht mal mit Öttinger mithalten kann, das ist bekannt. Tückischer ist der Fakt, dass es auch ein eigenes Nutella gibt. Wie kann man eine perfekte Rezeptur nur so verhunzen? Idee wie sie schmeckt? Man nehme die billigste in Deutschland erhältliche Schokocreme und füge Zucker hinzu. Dann füge man nochmal Zucker hinzu. Fertig. Sicherheitshalber nicht die ganze Messerspitze vollmachen.

Die obige Übertreibung dient der Veranschaulichung.


Ich lebe noch!

Beitrag vom: Mittwoch, 1. Juli 2009 | Beitrag kommentieren »

Freunde, mir ist nichts Böses zugestoßen und ich gelobe fortan wieder fleißig Berichten — die letzten Tage waren einfach zu voll. Stefan Pabst, ein alter Freund aus Saalfeld, war auf einer SummerSchool in Stanford — also 30 Autominuten entfernt — und hat mich rege besucht. Bilder unserer Ausflüge folgen. Außerdem war die HumanBrainMapping-Konferenz, wo von 8am bis 8pm der Schädel rauchen konnte, um anschließend die umliegenden Bars und Clubs zu stürmen. Jetzt ist alles wieder heile und ich hole mein Blog-Defizit in der kommenden Woche, die die letzte meines Aufenthalts hier ist, auf. Versprochen.


Amerikanische Supermärkte…

Beitrag vom: Mittwoch, 1. Juli 2009 | 3 Kommentare »

…sind normalerweise so groß wie ein deutsches Wohngebiet. Das liegt daran, dass hier alle Wege etwas größer sind und manch Provinzler stets für geschätzte sieben Wochen im Voraus einkauft. In San Francisco hingegen ist alles von normaler Größe. Auffällig ist nur die Preisspanne: Klar, auch in Deutschland sind Tante-Emma-Läden etwas teurer, aber hier erlebt man gerne Faktor 3, selbst zwischen halbwegs großen Märkten. Die deutschen Rentner, die wegen 7 Cent Preisdifferenz die Butter noch bei einem anderen Supermarkt einkaufen, kämen hier voll auf ihre Kosten.

Ebenfalls auffällig: riesige Packungsgrößen. Die übliche Menge Frischmilch ist eine Gallone, also fast 4 Liter. Frisch ist allerdings übertrieben, denn sie hält sich geöffnet weit über ne Woche. Wahrscheinlich ultraultrahocherhitzt, oder am besten gleich gechlort. Neues Kapitel für mein Buch “Sinnlose Jobs”: Den “Eintüter”, der für einen die Einkäufe in die Tüte steckt. Nein, nicht nur in Stoßzeiten, um die Kasse schneller frei zu machen, sondern auch wenn man zu dritt im Laden ist.

Mit meiner chronischen Wut Dinge auszuprobieren geht es natürlich auch weiter. Worauf Ami-Kinder total abfahren ist Rootbeer. Süße Plärre, colaähnlich. Nachgeschmack wie Medizin. Hat davon schonmal irgendjemand etwas gehört? Auch fetzig: Cooking-Spray, das ist Bratöl in der Spraydose. Sollte man nicht unbedingt mit dem Insektenspray verwechseln (sonst klebt die Wohnung :D).

2009-06-16-img_0189

Meine chinesischen Mitbewohner

Beitrag vom: Dienstag, 16. Juni 2009 | 1 Kommentar »

Ich hatte bereits berichtet, dass in meiner WG jede Nische als Zimmer vermietet wird. Die lustigen Chinesen, die diese Zimmer bewohnen, habe ich jetzt auch kennengelernt und freundlich um ein Photo ihrer Gemächer gebeten. Wahre Schmuckkästchen für 400 Dollar / Monat. Die Bilder habe ich zu den anderen Unterkunftsbildern gepackt.


Wochenendunternehmungen

Beitrag vom: Dienstag, 16. Juni 2009 | 3 Kommentare »

Das erste Wochenende wurde intensiv genutzt, um die Stadt zu erkunden. Da ich mit nur einem Koffer anreiste, zwei jedoch erlaubt sind, galt es weiterhin, die Stadt leerzukaufen. Die weiteren 23 Kilo Freigepäck sind schließlich auszunutzen.

Aufgefallen:

  • Gefühltermaßen viel stärker als in Deutschland leben die unterscheidlichen ethnischen Gruppierungen getrennt voneinander (schön bebildert unter http://de.wikipedia.org/wiki/San_Francisco#Einwohnerentwicklung).
  • Es gibt verdammt viele Obdachlose und Bettler, vor allem im Zentrum der früheren Hippie-Bewegung. Na wenn sich die antiautoritäre Erziehung mal nicht bewährt hat.
  • Es gibt Unmengen total sinnloser Jobs, vor allem von staatlicher Seite. Gestern erlebte ich vor einem Museum einen Angestellten, der mit seinem Mikrofon permanent darüber informierte, welcher der zwei Schlangen gerade kürzer war. Zwei weitere ABMer Angestellte schauten ihm dabei zu — dafür beträgt der Eintritt dann 30 Dollar.
  • Wegen der vielen Einwanderer ist das Nahrungsangebot sehr viel vielfältiger. Njomnjom.
  • In San Francisco findet man keinen Parkplatz. Nie.
  • Hamburger sehen jenseits großer, auch in Deutschland vertretener Ketten so aus, wie in der Werbung. Mit herausquillendem Salat und viel Soße. Schmeckt, kostet aber auch das 7 Dollar statt 99 Cent.
  • Das Pendant zum Döner in Deutschland ist hier der mexikanische Burrito. Kennt man bei uns vielleicht als “Wrap”, also einem flachen Teiglappen, den man um unterschiedlichste Füllungen wickelt, meist Bohnen und Reis. Anfängerfehler: Als Europäer sagen, dass man ihn scharf möchte.
  • Die Fahrräder ohne Bremsen haben einen Grund: Trickfahrradfahren ist hier eine verbreitete Geigelei. Ohne Bremsen kann man den Lenker unbegrenzt rotieren lassen. Habe auch ein Bild eines solchen Rades gefunden.

Am Sonntag hatte ich Besuch von Stefan aus Saalfeld, der in Chicago gerade seinen Doktor macht. In Deutschland haben wir es irgendwie ewig nicht hinbekommen, uns mal zu treffen. :-) Mit seinem gemieteten Pontiac ging es dann quer durch die Stadt und abends versumpften wir in China Town. Davon gibt es irgendwann bessere Bilder, hier jedoch bereits der erste und zweite Schwung.


Ausgehen

Beitrag vom: Dienstag, 16. Juni 2009 | Beitrag kommentieren »

Freitag Abend war ich das erste mal (mit den Kollegen) aus. So schön der Abend auch war, ich kann kaum etwas Spannendes darüber schreiben, denn so oder so ähnlich verlaufen (abgesehen von der Ausweiskontrolle am Kneipeneingang) auch Abende in Deutschland. Kneipe, zwei, drei Bier, nen Happen Essen, noch nen Cocktail, heim. Gestreckt über 5 Stunden, gefüllt mit netten Gesprächen.

Darüber schreiben wollte ich trotzdem, schließlich gibt es auch Länder, in denen man seine Abende anders verbringt (Polen: Privatwohnung, 500 ml Wodka von der Flasche in den Bauch umfüllen und dann schleunigst — solange man noch kann — in die Disko).

Ach ja: Noch ein Vorurteil ist weg. Ami-Bier schmeckt nicht immer wie Pisse verdünntes Lager. Das in San Francisco gebraute Anchor Steam ist sogar mehr als lecker.


Die Straßen von San Francisco…

Beitrag vom: Dienstag, 16. Juni 2009 | Beitrag kommentieren »

… sind für den Fall der Fälle breit genug geplant, um Serpentinen anzulegen. Ich hatte mich auf dem Stadtplan über die Wellenlinien gewundert und bin damit zufällig auf eine regelrechte Attraktion gestoßen. Hui.

Plan und Straßenansicht bei Google Maps.


Essen gehen

Beitrag vom: Samstag, 13. Juni 2009 | Beitrag kommentieren »

Heute waren wir mit der Arbeitsgruppe in einem Restaurant. Verblüffend, aber es ist kaum teurer als die Fastfood-Sachen zum Mitnehmen, die hier normalerweise zum Mittag gegessen werden. Für 8 Dollar gibt es eine vollwertige Mahlzeit, Wasser ist kostenlos und wird nach belieben aufgefüllt. Ein Burrito, das Pendant zum Döner Kebab, kostet auch so 5 bis 8 Dollar — ohne das Wasser. Die Kellner umsorgen einen bestens, denn sie leben hier so gut wie nur vom Trinkgeld (~10-20%). Gefällt.


Fahrradfahren

Beitrag vom: Freitag, 12. Juni 2009 | 1 Kommentar »

Bekanntlich ist der Straßenverlauf amerikanischer Städte meist charmlos schachbrettartig. San Francisco bildet hier prinzipiell keine Ausnahme, was angesichts stark hügeligen Terrains schon sehr am Verstand hiesiger Städteplaner zweifeln lässt. An manchen Steigungen fürchtet man, die Autos könnten durch ruppiges Anfahren rückwärts herunterfallen. Es gibt jedoch tatsächlich auch krummlinige Straßen. Seit gestern wissen meine Lunge, meine Beinmuskeln und ich: Diese Stellen sollten Fahrradfahrer weitläufig umfahren.

Fahrrad. Seit gestern bin ich dank eines großzügigen Kollegens viel mobiler und werde damit jetzt die ganze Stadt unsicher machen können. Dass das mit dem Fahrrad überhaupt geht ist in Amerika keine Selbstverständlichkeit — hier hingegen gibt es sogar Radwege! Autofahrer scheinen das jedoch noch nicht so recht mitgeschnitten  zu haben. Der Ausdruck dafür, eine Autotür vors Gesicht zu bekommen, ist “getting doored”. Vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Unwissen über die technischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts: Sehr verbreitet sind hier Räder ohne Bremsen und ohne Leerlauf. Rückwärts treten -> rückwärts fahren. Steilen Berg runterfahren -> Tod. Gebremst wird entweder wie bei Colt Seavers oder mit dem Schuh am Hinterrad.

Meine erste Tour führte mich in ein historisches Kino — dem Castro Theater. Vor dem Film (Pixars “Up”, mit spacigen 3D-Brillen) spielte jemand auf der Bühne auf einer Orgel, die dann zu Filmbeginn automatisch abgesenkt wurde. Es gab weder Werbung noch liefen Trailer für andere Filme. Gefällt mir. Meine Photos mit der kleinen Knippse sind nichts geworden, aber auf Flickr hat es jemand besser hinbekommen. Voila, der Kinosaal (man erkennt auch die Orgel in der Mitte der Bühne).

Für Fahrradfahrer sind Stadtpläne kaum hilfreich, denn oftmals ist ein vermeintlich riesiger Umweg viel schneller, weil man Hügel umgeht. Ein knackiger Anstieg wird hier auch nicht mit einer schönen Abfahrt belohnt, denn an fast jeder Straßenkreuzung lacht ein Stoppschild. Extra Fahrradkarten beinhaltet daher die Steigungen und es gibt Webseiten, die bei der Routenplanung den Anstieg berechnen. Ganz schöner Aufriss. Hätten die bei der Straßenplanung halt mal mitgedacht…

Heimwärts ging es durch einen Park, in dem die Sprenkleranlagen nachts auch vor den Wegen nicht halt machen. Ständig gickste jemand, weil wieder ein voller Schwall im Nacken landete — ein riesen Spaß, vor allem, wenn man vorher getankt hat :-). Ich habe meine Lieblingsstrecke jedenfalls gefunden.


Zwangsstörungen

Beitrag vom: Donnerstag, 11. Juni 2009 | Beitrag kommentieren »

Ich habe einen Tick. Ich muss Dinge ausprobieren, nur weil sie selten oder neu sind. In der Folge habe ich bereits Schweinehirn essen müssen und die Sirupflasche mit Kaugummi-Geschmack wird vermutlich mein gesamtes Dasein überdauern. In Amerika bin ich bei sämtlichen Waren einer endlosen Sortenvielfalt ausgesetzt. Bisher war ich nur in einem kleinen Tante-Emma-Laden. Resultat: Ingwer-Hanf-Müsli. Wenn ich in den nächsten Tagen einen richtigen Supermarkt betrete, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen.

2009-06-08-img_0169

Ach ja: Busse, die Oberleitungen anzapfen, kannte ich bisher nur aus dem Ostblock. Keine Angst Mutti, ich habe keinen gekauft.

2009-06-10-img_0174

Zweite Impressionen

Beitrag vom: Donnerstag, 11. Juni 2009 | Beitrag kommentieren »

Heute kullern mal wieder ein paar Vorurteile:

  1. In meiner Wohnung ist (korrigiert. Muttersprache bereits verlernt) sind überall Energiesparlampen
  2. In Deutschland glaubt man ja, dass in keinem anderen Land auf der Welt der Müll so vorbildlich wiederverwertet wird. Wenn sie den Müll nicht gleich ganz ins Meer kippen. Heute gelernt: Das stimmt nicht ganz. Wie in Deutschland gibt es hier separate Mülltonnen für Kompost usw. und man ist stolz auf eine Recycling-Quote von 75 % — die höchste in den USA und vermutlich vergleichbar mit Deutschland (ich habe auf die Schnelle keine Zahlen gefunden).Jetzt bring ich den Kollegen hier noch bei, dass sie sich nicht für jeden Tee einen neuen Einweg-Pappbecher nehmen brauchen, sondern vielleicht mal eine eigene Tasse mitbringen sollten und dann wird das Land hier doch so langsam aber sicher vorzeigbar. 2009-06-10-img_1602.jpg
  3. Seit Michael Moore wissen wir alle, dass Amerikaner sich verbarrikadieren und wenn man ungebeten an der Haustür klopft, wird man von innen heraus erschossen. Unser Haus mitten in San Francisco ist nie abgeschlossen und hier haben alle Laptops und Kameras. Ich fühle mich jedenfalls sicherer als wenn fünf Vorhängeschlösser und eine Selbstschussanlage installiert wären.
  4. In Texas mag das anders sein, aber die Autos sind hier nicht wesentlich größer als bei uns. Auch nicht älter.

Außerdem:

  • Die Kollegen hier interessieren sich für europäische Politik. Am ersten Tag wurde ich gleich gefragt, wie die Deutschen dazu stehen, dass man Merkel und Obama so ein kühles Verhältnis nachsagt. Auch wenn mir klar ist, dass ich es hier nicht mit Durchschnittsamerikanern zu tun habe — ich war überrascht. Auf Nachfrage sagte man mir dann auch, dass man Außenpolitik hier nicht gerade serviert bekommt, erst recht nicht über die TV-Nachrichten. Dank Internet steht aber heute auch einem Ami nichts im Weg, sich global auf dem Laufenden zu halten.
  • Die Arbeitsathmosphäre erscheint mir hier sehr angenehm und unkompliziert. Ganz unbürokratisch bekam ich sofort einen Internetanschluss und Zugang zu allem. In Deutschland war ich damit einen Tag beschäftigt. Während ich von den billigsten Stühlen in Jena nach wenigen Tagen Rückenschmerzen hatte, wird hier an diesen essentiellen Dingen nicht gespart.
  • Ich bilde mir ein gelesen zu haben, 70 % der Forscher in den Staaten wären Inder und Chinesen. Hier ist der Professor der einzige Inder und 70 % sind “echte” Amerikaner. Chinesen haben wir gar keine.

Nachtrag: Zimmer mit Fenster nach Süden.

Beitrag vom: Donnerstag, 11. Juni 2009 | 2 Kommentare »

Diese Aussicht will ich natürlich keinem vorenthalten.

2009-06-11-img_0175

Um das Nachbarhaus zu berühren muss ich mich nichtmal rauslehnen. :-) Das Fenster geht nicht zu, weil dort das Netzwerkkabel verläuft.


Wohnen

Beitrag vom: Donnerstag, 11. Juni 2009 | 4 Kommentare »

Man soll ja immer mit dem Positiven anfangen. Weiß ich noch aus Deutsch. Positiv an meinem Zimmer ist, dass ich nur drei Minuten Fußweg bis ins Institut habe. Positiv ist auch, dass es mit 750 $ / Monat verhältnismäßig billig ist (einige andere Doktoranden zahlen das Doppelte). Wer also in Jena (“München des Ostens”, Zitat aus dem SPIEGEL) noch einmal rumheult, dass 200 EUR für 18 qm vollsaniert mit Balkon und Parkett zuviel sind, den schicke ich hierher zur Strafe auf Wohnungssuche mit einem Budget von 200 EUR / Monat — dafür bekommt man hier vermutlich nicht mal einen Stellplatz für Pappkarton und Einkaufswagen.

Gefunden habe ich die Bude über Craigslist, ein schwarzes Brett im Netz, über das in den USA scheinbar alles gehandelt und getauscht wird. Ein Photo hatte ich nicht und ebensowenig wusste ich, wie groß das Zimmer ist. Freunde, ihr wisst nicht, wie froh ihr sein könnt, dass man Gerüche nicht übers Internet verschicken kann. Ich wohne in einer 7-er WG mit fünf Chinesen und einem Indianer. Anfangs dachte ich, es sei eine 5er-WG, aber dann stand die Tür zur Abstellkammer offen und ich entdeckte einen weiteren Mitbewohner. Ähnlich erging es mir im Gang zur Toilette mit der Besenkammer. Jetzt, wo ich Chinesen kenne, die zum Leben nur 3 Quadratmeter (ich übertreibe sonst gern, aber diesmal ist es ein Fakt) brauchen, weiß ich, dass es denen im Reich der Mitte auch mit 14 Milliarden Menschen nicht zu eng wird. Eingerichtet ist das Zimmer mit einer Matratze und zwei Laptops. Seit dieser Entdeckung gefällt mir auch mein eigenes Zimmer etwas besser. Zuerst war ich weniger überzeugt und ich zweifelte bereits leicht an meiner Männlichkeit, als ich den Drang hatte zu Putzen, bevor ich meinen Koffer öffnen wollte. Raumspray wurde ebenfalls gleich an Tag 1 angeschafft (vielen Dank für die ladenoffenen Sonntage, lieber Turbo-Kapitalismus). Als ich im Bad dann jedoch zwei Flaschen Febréze mit deutscher Aufschrift entdeckte war ich wieder etwas beruhigt.

Der Baustil des Hauses — ihr seht es auf den Photos — ist im übrigen sehr typisch für San Francisco. Die meisten dieser Häuser sind leider beim großen Erdbeben vor 100 Jahren zusammengebrochen. Ich wohne also fast in einem seltenen Denkmal. Hah. Positiv begonnen, positiv aufgehört. Wenn das mal nicht die Stimmung hebt.

Damit ich nicht nach der Arbeit wieder vor verschlossenen Türen vorm Supermarkt stehe, der schon um 11 Uhr Abends schließt (Turbokapitalismus, wo bist du, wenn man dich braucht?), mache ich heute schon 8 Uhr Feierabend. In diesem Sinne: Tschüss, Euer Thomas