Wohnen
Beitrag vom: Donnerstag, 11. Juni 2009 | 4 Kommentare »Man soll ja immer mit dem Positiven anfangen. Weiß ich noch aus Deutsch. Positiv an meinem Zimmer ist, dass ich nur drei Minuten Fußweg bis ins Institut habe. Positiv ist auch, dass es mit 750 $ / Monat verhältnismäßig billig ist (einige andere Doktoranden zahlen das Doppelte). Wer also in Jena (“München des Ostens”, Zitat aus dem SPIEGEL) noch einmal rumheult, dass 200 EUR für 18 qm vollsaniert mit Balkon und Parkett zuviel sind, den schicke ich hierher zur Strafe auf Wohnungssuche mit einem Budget von 200 EUR / Monat — dafür bekommt man hier vermutlich nicht mal einen Stellplatz für Pappkarton und Einkaufswagen.
Gefunden habe ich die Bude über Craigslist, ein schwarzes Brett im Netz, über das in den USA scheinbar alles gehandelt und getauscht wird. Ein Photo hatte ich nicht und ebensowenig wusste ich, wie groß das Zimmer ist. Freunde, ihr wisst nicht, wie froh ihr sein könnt, dass man Gerüche nicht übers Internet verschicken kann. Ich wohne in einer 7-er WG mit fünf Chinesen und einem Indianer. Anfangs dachte ich, es sei eine 5er-WG, aber dann stand die Tür zur Abstellkammer offen und ich entdeckte einen weiteren Mitbewohner. Ähnlich erging es mir im Gang zur Toilette mit der Besenkammer. Jetzt, wo ich Chinesen kenne, die zum Leben nur 3 Quadratmeter (ich übertreibe sonst gern, aber diesmal ist es ein Fakt) brauchen, weiß ich, dass es denen im Reich der Mitte auch mit 14 Milliarden Menschen nicht zu eng wird. Eingerichtet ist das Zimmer mit einer Matratze und zwei Laptops. Seit dieser Entdeckung gefällt mir auch mein eigenes Zimmer etwas besser. Zuerst war ich weniger überzeugt und ich zweifelte bereits leicht an meiner Männlichkeit, als ich den Drang hatte zu Putzen, bevor ich meinen Koffer öffnen wollte. Raumspray wurde ebenfalls gleich an Tag 1 angeschafft (vielen Dank für die ladenoffenen Sonntage, lieber Turbo-Kapitalismus). Als ich im Bad dann jedoch zwei Flaschen Febréze mit deutscher Aufschrift entdeckte war ich wieder etwas beruhigt.
Der Baustil des Hauses — ihr seht es auf den Photos — ist im übrigen sehr typisch für San Francisco. Die meisten dieser Häuser sind leider beim großen Erdbeben vor 100 Jahren zusammengebrochen. Ich wohne also fast in einem seltenen Denkmal. Hah. Positiv begonnen, positiv aufgehört. Wenn das mal nicht die Stimmung hebt.
Damit ich nicht nach der Arbeit wieder vor verschlossenen Türen vorm Supermarkt stehe, der schon um 11 Uhr Abends schließt (Turbokapitalismus, wo bist du, wenn man dich braucht?), mache ich heute schon 8 Uhr Feierabend. In diesem Sinne: Tschüss, Euer Thomas

Hmm, Chinesen…
Ich hoffe deine essen nicht nur Knoblauch, mit denen in Austin wollte man nicht mal 3 Etagen Fahrstuhl fahren…
Riecht man hier nicht heraus. :-)
Na dann leih dir lieber nen Wohnwagen für die Kohle, ich bekomm Krätze beim angucken, wenn du zurückkommst wirst du erstmal desinfiziert
Als ich dein Zimmer gesehen habe, dachte ich noch so: Na, hab dich mal nicht so… Aber die Küche ist ja echt derb. Bor, das geht ja echt nicht!!! Und dafür 700 Dollar? What the fuck. Junge, wenn du ein Care-Paket brauchst, dann sag bescheid. Ich pack Thüringer Würste und Knusperflocken rein. Und Sagrotan.