Fahrradfahren
Beitrag vom: Freitag, 12. Juni 2009 | 1 Kommentar »Bekanntlich ist der Straßenverlauf amerikanischer Städte meist charmlos schachbrettartig. San Francisco bildet hier prinzipiell keine Ausnahme, was angesichts stark hügeligen Terrains schon sehr am Verstand hiesiger Städteplaner zweifeln lässt. An manchen Steigungen fürchtet man, die Autos könnten durch ruppiges Anfahren rückwärts herunterfallen. Es gibt jedoch tatsächlich auch krummlinige Straßen. Seit gestern wissen meine Lunge, meine Beinmuskeln und ich: Diese Stellen sollten Fahrradfahrer weitläufig umfahren.
Fahrrad. Seit gestern bin ich dank eines großzügigen Kollegens viel mobiler und werde damit jetzt die ganze Stadt unsicher machen können. Dass das mit dem Fahrrad überhaupt geht ist in Amerika keine Selbstverständlichkeit — hier hingegen gibt es sogar Radwege! Autofahrer scheinen das jedoch noch nicht so recht mitgeschnitten zu haben. Der Ausdruck dafür, eine Autotür vors Gesicht zu bekommen, ist “getting doored”. Vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Unwissen über die technischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts: Sehr verbreitet sind hier Räder ohne Bremsen und ohne Leerlauf. Rückwärts treten -> rückwärts fahren. Steilen Berg runterfahren -> Tod. Gebremst wird entweder wie bei Colt Seavers oder mit dem Schuh am Hinterrad.
Meine erste Tour führte mich in ein historisches Kino — dem Castro Theater. Vor dem Film (Pixars “Up”, mit spacigen 3D-Brillen) spielte jemand auf der Bühne auf einer Orgel, die dann zu Filmbeginn automatisch abgesenkt wurde. Es gab weder Werbung noch liefen Trailer für andere Filme. Gefällt mir. Meine Photos mit der kleinen Knippse sind nichts geworden, aber auf Flickr hat es jemand besser hinbekommen. Voila, der Kinosaal (man erkennt auch die Orgel in der Mitte der Bühne).
Für Fahrradfahrer sind Stadtpläne kaum hilfreich, denn oftmals ist ein vermeintlich riesiger Umweg viel schneller, weil man Hügel umgeht. Ein knackiger Anstieg wird hier auch nicht mit einer schönen Abfahrt belohnt, denn an fast jeder Straßenkreuzung lacht ein Stoppschild. Extra Fahrradkarten beinhaltet daher die Steigungen und es gibt Webseiten, die bei der Routenplanung den Anstieg berechnen. Ganz schöner Aufriss. Hätten die bei der Straßenplanung halt mal mitgedacht…
Heimwärts ging es durch einen Park, in dem die Sprenkleranlagen nachts auch vor den Wegen nicht halt machen. Ständig gickste jemand, weil wieder ein voller Schwall im Nacken landete — ein riesen Spaß, vor allem, wenn man vorher getankt hat :-). Ich habe meine Lieblingsstrecke jedenfalls gefunden.

[...] Fahrräder ohne Bremsen haben einen Grund: Trickfahrradfahren ist hier eine verbreitete Geigelei. Ohne Bremsen kann man den [...]