Übermäßiges Gepäck, übermäßiger Spaß
Beitrag vom: Mittwoch, 8. Juli 2009 | 2 Kommentare »Fensterplatz mit Tisch und Steckdose im ICE nach Jena, das iPhone pumpt die Daten vom Notebook ins Internet und zurück. Schöne neue Welt.
Gelandet bin ich demzufolge gut und besagten Luxus habe ich mir (nach meinem Befinden) sehr verdient. In Ermangelung einer Waage konnte ich mein Gepäck vor der Abreise nicht auf Übergewicht hin überprüfen, also blieb mir nur darauf zu vertrauen, dass ich ja wohl nicht mehr als 23 Kilo eingekauft habe. Noch guter Dinge schritt ich auf die Waage am Flughafen zu, aber falls es eine Überwachungskamera gab: Die Gesichtsentgleisung ist sicher was für Youtube. Beide Taschen wogen über 27kg statt erlaubter 23, der Rucksack 11kg statt 8. 210 Dollar kostet das, sagt man mir. Ich komme gleich wieder, sage ich.
Als erstes sterben die Zeitschriften und das Duschbad, von dem Lisa sagt, ich rieche nach Benutzung wie ein Gletschereis-Bonbon. Das Haarspray ist auch schon fast alle, von da an wären die Trennungen schmerzlicher geworden. Ja, eingeplant war, dass ich notfalls einige der sieben mitgebrachten Flaschen Bier entsorge oder verschenke, aber dank Muttis Erziehung fühlte ich mich schon bei der nahezu leeren Haarsprayflasche wie ein Mensch, der Haustiere am Rastplatz anbindet. Das muss anders gehen.
In einer Sache unterliege ich dem typischen Naturwissenschaftlercliché: Ich reise mit Trekkingjacke und folglich unendlich vielen Außen- und Innentaschen. Normalerweise hasse ich sie alle einzeln, denn was immer man sucht, es ist immer in der letzten, in der man schaut. Seit heute liebe ich sie. Bekleidet mit sechs T-Shirts, einem Poloshirt, einem Hemd, einer Stoffjacke (mit vollen Taschen) und besagter Trekkingjacke, die sich nicht mehr schließen ließ, weil die Innentaschen so vollgestopft waren, ging ich dann, schwitzend, glücklich und innerlich triumphierend, zum Check-In. Das Laptop klemmt unter dem Arm, “damit er nicht kaputt geht”. Hinterfragt wird das zum Glück nicht. Es hat Angst im dunklen Rucksack hätte ich als nächstes angegeben — zum Glück aber nicht nötig.
Nach dem Sicherheitscheck habe ich dann alles in Stoffbeutel verteilt. Hürde weniger, Erfahrung reicher. “Übergepäck” werde ich als Gesellschaftsspiel etablieren. Sieger ist, wer so viel Klamotten wir möglich anziehen kann.
Bis wirklich bald
Thomi

Geil, Thomi, spitzen Geschichte!!! Rüschi hätte bestimmt auch größten Spaß an dem Spiel gefunden, kann ich mir vorstellen. Warst du beim zweiten Mal an nem anderen Schalter? Wenn nicht, dann hätte ich gern das Gesicht von der Dame am Schalter beschrieben gelesen.
Super Geschichte Thomi, der Einfallsreichtum passt gut zu Dir :) Ich hätte gerne ein Bild davon, wie Du wie ein Buddha vor dem Schalter stehst und die Dame dahinter triumphierend angrinst.
Bin übernächstes WE wieder in der Nähe. Würde mich freuen, wenn wir uns sehen würden.